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Schacht 5: Sachstand und Herausforderungen

Die Realisierung des geplanten Bergungsschachtes steht nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen und trotz bekannter anspruchsvoller geologischer Randbedingungen nicht in Frage. Für eine konkrete und sichere Planung sind jedoch noch weitere Erkundungsarbeiten erforderlich. Das sind zentrale Ergebnisse eines Fachworkshops, zu dem das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rund 50 Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen am 13. Oktober 2015 eingeladen hatte.

Fehlerhafte Karten und Annahmen des vorherigen Betreibers erfordern sorgfältige Erkundungsarbeiten

Bohranlage zur Erkundung für den geplanten Bergungsschacht Bohranlage zur Erkundung für den geplanten BergungsschachtBohranlage zur Erkundung für den geplanten Bergungsschacht

Um die Karten und Daten des vorherigen Betreibers auf seine Richtigkeit zu überprüfen, erkundet das BfS den Untergrund der Asse. Die Erkenntnisse sind erforderlich, um eine sichere Schachtplanung gewährleisten zu können. Nach ersten Auswertungen wurde deutlich, dass die bis heute vorliegenden Erkundungsergebnisse teilweise von den ursprünglichen Annahmen abweichen. Dies deckt sich mit den Erfahrungen aus nahezu allen Teilprojekten der Asse-Sanierung. Bei einer Aufgabe wie der Bergung der Abfälle, für die es keine Vorlagen gibt und die mit vielen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten behaftet ist, gehört die Entdeckung neuer Sachverhalte und Randbedingungen zur täglichen Arbeit dazu.

Erkundungsarbeiten bilden auch Basis für den Bau von Infrastrukturräumen

Unter den Experten herrschte Konsens, dass die vorliegenden Erkenntnisse den Bau eines Bergungsschachtes nicht in Frage stellen. Weitere Erkundungen sollten jedoch nach Meinung aller Fachleute durchgeführt werden. Dies ist auch wichtig, um klären zu können, wie sich zusätzlich Infrastrukturräume unter Tage bauen lassen. Infrastrukturräume sind Bereiche innerhalb des Grubengebäudes, in denen zum Beispiel Geräte und Maschinen untergebracht werden können.

Breiter Austausch zwischen Experten aus Universitäten, Behörden, Instituten und Schachtbaufirmen

Die Tagung stand unter der vordringlichen Fragestellung, wie sich unter den geologischen und technischen Bedingungen der geplante zweite Schacht bauen lässt. Das vom BfS gewählte Vorgehen, zunächst Erkundungsbohrungen durchzuführen, um sichere Planungsdaten für den Bau des Bergungsschachtes zu ermitteln, wurde im Workshop als sinnvoll bewertet.

Neben BfS und Asse-GmbH beteiligten sich an den Diskussionen auch weitere, projektunabhängige Experten aus Universitäten, Behörden, Instituten und Schachtbaufirmen:

  • Arbeitsgruppe Optionen Rückholung Optionenvergleich (AGO)
  • Bundesumweltministerium
  • Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
  • DMT GmbH & Co. KG
  • ERCOSPLAN - Ingenieurgesellschaft Geotechnik und Bergbau mbH
  • Institut für Gebirgsmechanik GmbH (IfG)
  • K-UTEC AG Salt Technologies
  • Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie
  • Niedersächsisches Umweltministerium
  • Technische Universität Clausthal
  • Technische Universität Freiberg
  • Thyssen Schachtbau

Mit dieser Tagung hat das BfS an die bewährte Praxis angeknüpft, zentrale Themen zur Stilllegung der Schachtanlage Asse fachlich möglichst breit zu diskutieren. Ähnliche Tagungen hatte das BfS bereits zu den Themen "Notfallvorsorge" oder "Beschleunigung der Rückholung" organisiert.

Hintergrund

Schacht 5 ist ein wichtiger Baustein bei der Stilllegung der Schachtanlage Asse. Über einen zusätzlichen, zweiten Schacht sollen die Abfälle aus der Asse geborgen werden.

Der neue Verbindungsweg zwischen Grubengebäude und Erdoberfläche gewährleistet zum einen mehr Sicherheit beim Strahlenschutz. Zum anderen können durch einen zusätzlichen Schacht mehr Menschen und Maschinen gleichzeitig an der Rückholung arbeiten als es die bestehende Infrastruktur mit nur einem Hauptschacht erlaubt.

Stand der Erkundungsarbeiten für den Bergungsschacht

Bisher liegen Bohrkerne und Messdaten von einer übertägigen, vertikalen Erkundungsbohrung vor, die eine Tiefe von 900 Metern erreichte. Ebenso liegen erste Daten von zwei weiteren, untertägigen Bohrungen vor.

In 574 Meter Tiefe wurde vom Grubengebäude horizontal in Richtung des geplanten Schachtes gebohrt. Weitere Bohrungen in 700 Metern Tiefe werden derzeit vorbereitet.

Stand: 22.01.2016

Übergangsweiser Verbleib der Fachaufgaben der BGE mbH im BfS

Am 30. Juli 2016 ist das "Gesetz zur Neuordnung der Organisationsstruktur im Bereich der Endlagerung" in Kraft getreten. Es sieht vor, für die operativen Aufgaben der Standortsuche, der Errichtung und des Betriebs der Endlager sowie der Schachtanlage Asse II und des Bergwerks Gorleben eine staatseigene Gesellschaft zu gründen, die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE mbH). Diese soll die Betreiberaufgaben des BfS sowie die Aufgaben der Asse-GmbH und der DBE mbH konzentrieren.

Die BGE mbH befindet sich derzeit in der Gründungsphase. Nach Sicherstellung der Handlungsfähigkeit sollen die entsprechenden Aufgaben vom BfS auf die BGE mbH übertragen werden. Bis zur Aufgabenübertragung auf die BGE GmbH bleibt das BfS für diese Aufgaben zuständig.

© Bundesamt für Strahlenschutz